Auf Heilbutt
Nachdem ich bereits vor drei Jahren meinen ersten Heilbutt mit der Fliegenrute gefangen habe, stand das dieses Jahr wieder auf der Liste. Ausgangspunkt war das Angelcamp Saltstraumen Brygge an eben diesem legendären Mahlstrom. Zusammen mit einem Freund hatte ich mich dort für eine Woche eingemietet.
Der Straumen selbst bietet eine spektakuläre Fischerei auf Köhler. Man muss allerdings extrem auf die Strömung achten. Etwa zwei Stunden nach und vor den Höchst- und Tiefständen sind die Verwirbelungen und Strudel so stark, dass man auf jeden Fall davon Abstand halten sollte.
Auf Heilbutt fischten wir nicht im Straumen, sondern in ruhigen Buchten mit sandigen Plateaus in 4 bis 15 Metern Wassertiefe. Die Taktik ist im Prinzip einfach: einen großen auffälligen Streamer möglichst nah zum Grund bekommen und in moderater Geschwindigkeit einstrippen.
Ich verwendete dafür eine Zehner ECHO Badass Glasrute und eine Airflo Depthfinder Big Game Sinkschnur mit 400 grains. Die zehner Glasrute verwende ich, weil sie extrem robust ist und ich mir im Drill und vor allem bei der Landung eines Fisches keine Sorgen machen muss, dass sie brechen könnte. Außerdem lässt sie sich sehr entspannt werfen. Die Depthfinder Big Game Schnur eignet sich sowohl von der Sinkrate als auch vom Gewicht. Zwei wesentliche Aspekte sind jedoch, dass sie fast keine Dehnung hat, und dass sie über 50 lbs Tragkraft besitzt. Beides ist extrem wichtig zum Haken und hart Drillen von wirklich starken Fischen. Da man beim Heilbuttfischen immer mit extrem großen und starken Fischen rechnen muss, sollte auch die Rolle extrem robust und absolut zuverlässig sein und über eine solide Bremse verfügen. Bei mir kam eine Marlo Steelboss zum Einsatz. Als Vorfach verwendeten wir ein etwa 150 cm langes Stück 60 lbs Fluorcarbon. Unsere Streamer waren 20 bis 25 cm lang und im Prinzip typische Hechtmuster, allerdings mit amtlichen Salzwasserhaken. Ich fing alle Fische auf ein pinkes Modell.
Um es gleich vorweg zu nehmen: Die fünf Tage vor Ort bescherten mir neun Heilbutt zwischen 70 und 80 cm. Wir hätten gerne noch größere Fische gefangen, aber auch bereits in diesem Kaliber sind sie extrem stark und ausdauernd.
Bei der ersten Ausfahrt ließen wir unser Boot über ein Sandplateau in etwa 5 Meter Wassertiefe treiben und warfen unsere Streamer quer zur Drift. Es dauerte nicht langer, bis bei mir der erste Fisch einstieg. Der Biss war hart, und sofort folgten kurze harte Kopfschläge. Da war klar, dass es sich um einen Butt handelte. Er kam zunächst problemlos bis zum Boot und realisierte anscheinend erst neben der Bordwand, dass da etwas nicht stimmte. Dann machte er ein paar schnelle Fluchten zum Grund und setzte seinen breiten Körper ein, um möglichst nicht wieder hochgepumpt zu werden. Es ist dann wichtig, die Rute wirklich tief zu senken und den Fisch mit einem flachen Rutenwinkel, so dass man nur das Handteil belastet, zu liften. Nur so kann man den nötigen Druck erzeugen. Auf diese Weise war der Fisch recht schnell ausgedrillt und konnte gekeschert werden. Mein Freund Arne fing kurz danach einen etwas kleineren Butt, und ein Fisch folgte der Fliege noch bis zum Boot.
Im Lauf der Woche konnten wir bei den unterschiedlichen Bedingungen - Wind, Drift, Wassertiefe - eine Menge Erfahrungen sammeln. Auch das Beißverhalten der Heilbutt war unterschiedlich. Wir fingen Fische in Wassertiefen zwischen 14 und 4 Metern über Sandgrund und etwas durchwachsenem Grund. Manchmal nahmen sie den Streamer hart und ohne zu zögern, und häufig testeten sie ihn zunächst vorsichtig. Das fühlte sich exakt so an, als würde man mit dem Haken über Kiesgrund oder Muscheln schrabben. Ein Fisch verfolgte den Streamer bis zum Boot und nahm ihn an der Bordwand auf Sicht.
An einem Tag mussten wir das Fischen abbrechen, weil die Drift aufgrund des starken Windes einfach zu schnell war. Wir bekamen dann vom Camp einen Driftsack, der sich als hervorragendes Hilfsmittel herausstellte. Nicht nur, dass er die Drift deutlich verlangsamt, er stabilisiert die Ausrichtung des Bootes auch perfekt, so dass auch zwei Personen kein Problem haben, gleichzeitig mit der Fliege zu fischen.
Aus Neugier versuchten wir auch mal, ob man die Streamer an der Sinkschnur einfach hinter den langsam fahrenden Boot schleppen kann. Auch so fingen wir kurz darauf einen Fisch. Auf einigen Plateaus waren Heilbutt die einzigen Fische, die wir fingen. An anderen Stellen hatten wir auch ganz gute Dorsche dazwischen, was die Fischerei noch etwas abwechslungsreicher machte.
Wir wählten den Skerstadfjord beim Saltstraumen nicht nur wegen der Möglichkeiten auf Heilbutt, sondern wegen der abwechslungsreichen Fischerei (wir fischten mindestens so viel auf die Köhler im Straumen), der kurzen Wege zu den Spots, der geschützten Lage und nicht zuletzt wegen des hervorragenden Camps. Nicht nur, dass die Unterkunft und das Boot tadellos waren, wir bekamen auch hervorragende kompetente Hilfe bei unserem Vorhaben. Sowohl der Betreiber als auch die Mitarbeiter (Danke nochmal, Henrik!) kennen sich mit dem Fliegenfischen aus und wissen natürlich ganz genau, wo die passenden Spots zu finden sind.